Das historische Zentrum von Wien

Kapitel 4.2

Ein Dom als Mittelpunkt der Stadt

Der Stephansdom gilt als Identifikationssymbol und Wahrzeichen der Stadt und des Landes. Die langwierigen Arbeiten am Dom ab dem 12. Jahrhundert waren begleitet von mysteriösen Umständen, die von der Bevölkerung aufgegriffen wurden. Mehr als 40 überlieferte Legenden ranken sich um die Bautätigkeit (Wiener Sagen). Hier zeigt sich die von Beginn an emotionale Identifikation der Bevölkerung mit diesem Gebäude.

Stephansdom
Stephansdom

Während der Monarchie war der Dom im Zentrum des großen Reiches nicht nur von religiöser Bedeutung. Im gesamten Reich durfte kein Kirchturm höher als der Südturm (136,4 m) erbaut werden. Die herausragende Sym- bolkraft des Stephansdomes auch im 20. Jahrhundert verdeutlichen zwei Begebenheiten.

O5 – diese Buchstaben-Zahlen-Kombination steht für Widerstand gegen den Nationalsozialismus von 1938-1945. Unter diesem Code kämpfte eine über Partei- grenzen und Ideologien stehende Gruppe für ein freies Österreich. Die Widerstandskämpferinnen und -kämpfer haben – nicht zufällig – O5 auf der Westseite des Stephansdomes in die Mauern eingeritzt.

Zu Kriegsende, in der Nacht zum 12. April 1945, brannte der Dom. Die Pummerin stürzte ab und zerschellte am Boden. Unmittelbar danach erfolgte der Wiederaufbau, finanziert durch Spenden von der ohnehin durch den Krieg mittellosen Bevölkerung. Die neue Pummerin wurde aus dem Material der zu Bruch gegangenen Glocke gegossen. 1952 war der Dom wiederhergestellt.

Dass der Dom bis heute ein „Nationalheiligtum“ ist, beweisen nicht nur die hohen Tourismuszahlen sondern zeigt sich auch in der Spendenbereitschaft der Österreicherinnen und Österreicher für den Erhalt des Gebäudes. Die laufenden Instandhaltungsarbeiten werden großteils durch Spenden finanziert, die u.a. durch die 1987 gegründete Privatinitiative „Rettet den Stephansdom“ koordiniert werden.