Die Kulturlandschaft Wachau

Kapitel 4.0

Bedrohung, Schutz und Management

Der Schutz der Wachau in ihrer heutigen Form war in den letzten Jahrzehnten keineswegs selbstverständlich: 1972 fasste die damalige österreichische Bundesregierung den Beschluss zum Vollausbau der Donau: Ein Flusskraftwerk bei Rossatz, mitten in der Wachau, wurde geplant.

Es war die Zeit des ersten Ölschocks, die Erdölpreise verdreifachten sich. Im nur wenige Kilometer von Krems entfernten Zwentendorf wurde mit dem Bau eines Atomkraftwerkes begonnen. Mit dem Ausbau der Donau wollte man die Abhängigkeit vom Erdöl verringern.

Aber zur gleichen Zeit verwies der Club of Rome auf die „Grenzen des Wachstums“, Bürgerinitiativen stemmten sich gegen die Zerstörung der Umwelt. Das Kraftwerk hätte die Kulturlandschaft zerstört: Weissenkirchen wäre hinter einem sechs Meter hohen Damm verschwunden, das für den Weinbau so entscheidende Klima hätte sich verändert. Die Wachauer Bevölkerung stellte sich gegen das Projekt. Gemeindemitglieder, Persönlichkeiten aus Wissenschaft, Kultur und Wirtschaft sowie engagierte Bürgerinnen und Bürger gründeten den „Arbeitskreis zum Schutz der Wachau“, der zwölf Jahre später jubeln konnte: „Ein Sieg der Vernunft hat die Entscheidung über den Verzicht des Donaukraftwerkes in der Wachau gebracht!“

Die Wachauer Bevölkerung war der Überzeugung, dass nur die internationale Anerkennung der Wachau als Kulturgut dauerhaften Schutz bietet – und hat das Ansuchen um Aufnahme in die Welterbeliste kräftig unterstützt. Der aus der Protestbewegung hervorgegangene Arbeitskreis hat seither eine führende Rolle im Management der Welterbestätte.