Schloss und Gärten von Schönbrunn

Kapitel 3.5

Tiergarten und Palmenhaus

Im 18. Jahrhundert finanzierten viele europäische Herrscherhäuser, so auch die Habsburger, Forschungsreisen, die Naturwissenschaften erlebten eine erste Blüte. Die Reisen wurden aus der Privatschatulle der Habsburger finanziert, daher wollten sie die Ergebnisse und Entdeckungen der Reisen auch besitzen und herzeigen. Franz I. Stephan, römisch-deutscher Kaiser und Ehemann der Kaiserin Maria Theresia, begründete die Menagerie, den Schönbrunner Tiergarten, in seiner heute noch erhaltenen Architektur mit dem zentralen Pavillon und den 13 radial angeordneten Tierhöfen. Ursprünglich ein reines Schaugehege, hat sich der älteste bestehende Zoo der Welt in den letzten Jahren zu einem modernen Tiergarten mit artgerechter Haltung entwickelt. Heute ist der Zoo Forschungs- und Bildungseinrichtung und ein wichtiger Beitrag zur Rettung der Artenvielfalt. Die Geburt des weltweit ersten, in einem Zoo natürlich gezeugten Pandas im Sommer 2007, verdeutlicht die Bedeutung des Zoos und fügt den vielen Attraktionen eine weitere, ganz besondere, hinzu.

Kaiserpavillion im Tiergarten Schönbrunn
Kaiserpavillion im Tiergarten Schönbrunn

Voraussetzung dafür war die Umgestaltung der Gehege in den letzten Jahrzehnten, die Tiere erhielten mehr Auslauf, mehr Platz. Die alte Bausubstanz blieb erhalten. Im Raubtiergehege führt der Weg für Besucherinnen und Besucher heute durch die Zwinger, während die Tiere sich in einem neu errichteten Freigehege befinden. Die Besucherinnen und Besucher sind im Käfig, die Tiere im Freien. Damit ermöglicht die alte Bausubstanz einen neuen Blick auf das Tier-Mensch-Verhältnis.

Die Beschäftigung der Habsburger mit den Naturwissenschaften zeigte sich auch auf botanischem Gebiet. Die erste Rosskastanie in Wien wurde in Schönbrunn gezogen, Tulpen aus dem Orient, Flieder aus Konstantinopel und Kartoffeln aus Südamerika wurden importiert.

1882 wurde im Park ein für die damalige Zeit herausragendes Bauwerk eröffnet: das Palmenhaus, eine Eisen-Glaskonstruktion, angelehnt an Vorbilder in London, Glasgow und Brüssel. Es ist 113 m lang, 28 m hoch und in drei Klimazonen unterteilt: ein Kalthaus im Norden, ein „temperiertes“ im Mittelpavillon und ein Tropenhaus im Süden. 1945 wurde das Gebäude durch Kriegsbomben zerstört, wieder aufgebaut und 1986 – 1990 generalsaniert.