Die Kulturlandschaft Fertö-Neusiedler See

(gemeinsam mit Ungarn)

Kapitel 6.3

Grenzen von gestern mitten durch Europa

Eine befestigte Grenze trennte die Gebiete der Germanen und das Römische Reich: der Limes. In Österreich bildete die Donau diese Grenze, in Deutschland war es ein befestigter Grenzwall: Der obergermanisch-rätische Limes war 550 Kilometer lang, an die 100 Kastelle und 900 Wachtürme wurden zur Grenzsicherung errichtet. Der Limes war eine willkürliche, streckenweise schnurgerade Grenze, allerdings keine unüberwindliche Barriere, eher eine Wirtschafts- und Kulturgrenze. Im Jahr 2011 wurde die österreichische „vorläufige Welterbeliste“ (tentative list) um die „Grenzen des römischen Reiches-Der Donau Limes in Österreich“ erweitert. Die geplante Einreichung soll Teil der transnationalen Welterbestätte „Römische Grenzlinien in Europa“ werden. Teile dieser Grenze wurden bereits 1987 (Hadrians Wall) und 2005 (obergermanisch-rätischer Limes) als grenzüberschreitende Welterbestätte „Grenzen des Römischen Imperiums“ in die Welterbeliste aufgenommen.

Eine andere Grenze teilte fast 50 Jahre auch das Welterbegebiet Fertö-Neusiedler See: der Eiserne Vorhang, eine nahezu unüberwindbare Grenze mit Stacheldrahtverhauen und Wachtürmen. Erst 1989 wurde diese Barriere durchlässig – mit dem so genannten „Paneuropäischen Picknick“ an der Grenze nahe St. Margareten. Die Veranstaltung nutzten etwa 600 Bürgerinnen und Bürger der damaligen DDR zum Grenzübertritt in den Westen – ohne dass Grenzsoldaten einschritten. Kaum drei Monate später fiel die Berliner Mauer.

Hadrians Wall
Hadrians Wall