Die Kulturlandschaft Fertö-Neusiedler See

(gemeinsam mit Ungarn)

Kapitel 5.1

Bedrohungen

Der Schutz des Welterbes geht jedoch über den Naturschutz hinaus: im Kulturlandschaftserbe soll auch die Geschichte der Region, die vielfältigen Wechselwirkungen zwischen Natur und Kultur bewahrt werden. Dies ist keineswegs einfach – und auch in einem hochrangigen Naturschutzgebiet nicht immer im Fokus:  So stellen etwa Hochbauten am Rande des Welterbes zwar kein Problem für den Naturschutz dar, sie beeinträchtigen aber sehr wohl das Welterbe. Auf diese Problematik hat die UNESCO mehrfach hingewiesen – denn am nördlichen Horizont des Neusiedler Sees, im Dreiländereck Österreich, Ungarn und Slowakei wächst eine dynamische Wirtschaftsregion. An die drei Millionen Menschen leben in dieser Region im Zentrum Europas. Daher ist dieses Gebiet auch für Großinvestitionen interessant. In Parndorf wurde ein Hotelkomplex errichtet, der seinen Gästen einen Ausblick auf den See bieten will. Der ursprüngliche Plan sah einen 73 Meter hohen Hotelturm vor – er wäre vom Welterbegebiet aus weithin sichtbar gewesen und hätte das Landschaftsbild verändert. Obwohl bereits alle Genehmigungen erteilt worden waren, zeigten sich die Bauträger einsichtig und planten das Projekt nach Einsprüchen der lokalen Bevölkerung und der UNESCO neu. Die Höhe wurde deutlich reduziert, auf 47,3 Meter.

Die UNESCO wies 2009 in einem State of Conservation Report (SOC) nochmals eindringlich auf die Problematik hin: whc.unesco.org/en/soc/692. Im Report werden die erarbeiteten Richtlinien für Bauten im Welterbegebiet ausdrücklich gewürdigt, aber in zwei Bereichen Verbesserungen vorgeschlagen: zum einen sollten die Richtlinien weiter präzisiert werden, die UNESCO sieht etwa die Beschränkung von Neubauten auf eine maximale Höhe von 14 Metern in Dörfern als zu großzügig an: neue Gebäude sollten die Höhe traditioneller Bauwerke nicht überschreiten. Weiters wird darauf verwiesen, dass die Grenzen des Welterbegebietes zwar auf den Naturschutz Rücksicht nehmen, aber Pufferzonen fehlen, die eine optische Beeinträchtigung des Welterbes verhindern könnten. „Höhen und Zonen sollten überprüft werden“ meint die UNESCO.