Die Kulturlandschaft Fertö-Neusiedler See

(gemeinsam mit Ungarn)

Kapitel 4.2

Bauernstand und Adel

Ländereien von Adeligen und kleinbäuerliche Dörfer prägten die Region, die Landnutzung blieb über Jahrhunderte gleich. Streckhöfe, errichtet aus Lehm und mit Schilf gedeckt, waren typisch für Kleinbauern, in den größeren Orten prägen die eindrucksvollen Gehöfte das Stadtbild. Siedlungs- und Gehöftformen sind charakteristisch für die Region und damit Teil des Welterbes.

Über Jahrhunderte waren die Esterhazys eine der mächtigsten Adelsfamilien Westungarns. Im 18. Jahrhundert ließ Fürst Nikolaus Esterhazy („der Prachtliebende“) Schloss Esterhaza, heute Fertöd, errichten. Das Barockschloss mit seinen Prunksälen, einem eigenen Opern- und Musikhaus sowie einer riesigen barocken Gartenanlage (vgl. Schönbrunn) erhielt den Beinamen „Ungarisches Versailles“. Der Fürst liebte Prunk – und die Musik. Mehr als 20 Jahre lebte und arbeitete Joseph Haydn im Schloss. Eine Anekdote gibt Einblick in das Leben der Musiker. Sie lebten während der Saison – mehr als 10 Monate im Jahr – getrennt von ihren Familien. 1772 wollte die Saison nicht enden, daher baten die Musiker Haydn, beim Fürsten ein gutes Wort für sie einzulegen. Haydn komponierte daraufhin die Abschiedssymphonie. Im fünften Satz verlässt ein Musiker nach dem anderen die Bühne, nur zwei Violinen beenden die Symphonie. Der Fürst verstand den Wink und schickte die Musiker nach Hause.

Schloss Esterhazy
Schloss Esterhazy