Die Kulturlandschaft Fertö-Neusiedler See

(gemeinsam mit Ungarn)

Kapitel 3.1

Ein See, umgeben von Schilf

Satelitenbild des Neusiedler Sees
Satelitenbild des Neusiedler Sees

In Europa findet sich nur im Donaudelta ein größerer Schilf- bestand. Am Neusiedler See ist er bis zu 5 km breit. Die heutige Ausdehnung hat das Schilf erst innerhalb der letzten 150 Jahre erreicht. Niedrigwasser- stände nach der Regulierung durch einen künstlichen Abfluss sowie Nähr- stoffe aus der Landwirtschaft ließen das Schilf kräftig wachsen. Der Schilfgürtel ist keineswegs eine gleichmäßig bewachsene Fläche. Hier wechseln Kanäle und offene Wasserflächen mit Schilf- beständen unterschiedlichen Al- ters. Diese Struktur beherbergt unzählige Tiere, es ist die Kinder- stube der Fische des Sees. Hecht, Wels und viele karpfenartige Fische verbringen hier ihr ganzes Leben. Im Schilf leben auch heimliche Bewohner, die man kaum zu Gesicht bekommt, wie die Wasserspitzmaus oder die Zwergmaus, die hier aus Blättern und Stängeln ihre Kugelnester baut. Gäbe es nicht die Störche – der See wäre das Paradies der Frösche. Wasserfrösche und Laubfrösche sind jedoch keine ausgesprochen seltenen Tiere (obwohl alle Amphibien in Österreich geschützt sind). Ungewöhnlich und einmalig ist hier die Größe des Bestandes, am See leben Millionen von Fröschen.

Segelboote
Segelboote

Am gesamten Ostufer des Sees findet sich ein bis zu zwei Meter hoher und bis zu 25 Meter breiter Sandwall. Entstanden ist er durch Eisstöße. Wegen seiner geringen Tiefe kühlt der See im Winter rasch ab. Es bildet sich eine mächtige Eisdecke. Bei niedrigem Wasserstand kann der See sogar durchfrieren. Nordwestwinde herr- schen hier vor, schieben das Eis und mit ihm lockere Sande zum Ostufer, ein Damm bildet sich. Auf dem trockenen Sand konnte sich nur eine dünne Bodenschicht entwickeln, immer wieder finden sich offene Stellen. Hier kann man den Ameisenlöwen beobachten, eine Insektenlarve, die in ihrem kegelförmigen Trichter auf Ameisen lauert. Im Sand leben auch die großen Maulwurfsgrillen. Sie wiederum sind Nahrung für den Wiedehopf. Bei Illmitz, am Sandeck, kann man sich vom Ausmaß des Seedammes überzeugen, aber auch davon, dass er tatsächlich aus Seesand aufgebaut ist: Ein Stück des Fahrradweges ist so sandig, dass man beim Radfahren sehr geschickt sein muss, um es ohne abzusteigen zu bewältigen.